Blog Pfarrer: 11. April 2020

Der heutige Karsamstag 2020 unterscheidet sich, für mich zumindest, nicht sehr von denen der letzten Jahre und Jahrzehnte (!). Ein Tag der Ruhe, der Gemächlichkeit. Auch der Nachdenklichkeit. Manchmal habe ich noch etwas an der Predigt für die Ostertage geändert, wenn mir dabei ein neuer Gedanke gekommen ist. Genauso ruhig soll auch dieser heutige Tag werden. Beim Stöbern in den geistigen und geistlichen Wühlkisten, wozu ein Blick in meine Bibliothek gehört und auch ein wenig das Durchblättern in entsprechenden Homepages, sind mir zwei zusammengehörige Dinge begegnet: „Das Prinzip Hoffnung“, das große Werk des Philosophen Ernst Bloch und das Radiofeature über ihn, gerade in Ö1 zu hören gewesen. Der Getalter dieser Sendung, Detlef Berentzen, hat in der Beschreibung auf der Ö1-Homepage einen wirklich stimmigen Satz zum Nachdenken von Ernst Bloch zitiert: „Ich bin. Wir sind. Das ist genug. Nun haben wir zu beginnen. In unsere Hände ist das Leben gegeben. Die Menschen wie die Welt tragen genug gute Zukunft.“ Ein Satz, der einen ganzen Tag füllen kann. Genießen Sie ihn, den Tag, den Satz, die Ruhe. Morgen ist der Tag, der dem Leben eine neue Richtung gibt. Frohe Ostern! Das wird auch in dem Gottesdienst anklingen, den wir in den letzten Tagen zusammengestellt und alle Beteiligten in ihrem Zuhause als kleines Video aufgenommen haben. Von Paul Diwiak wird das alles fertig produziert und auf YouTube gestellt : Den Link dazu finden Sie ab Morgen auf der Startseite unserer Homepage. Es ist der erste Videogottesdienst, den wir als Evangelische Pfarrgemeinde Stainz-Deutschlandsberg selbst erstellt und produziert haben (von den Fernsehgottesdiensten abgesehen, da hat der ORF produziert). Auf alle Fälle freue ich mich über Ihre Reaktionen, auf den Blog und den Videogottesdienst. Der Segen Gottes begleitet euch!

Blog Pfarrer: 10. April 2020

Ein Karfreitag ohne die große Gemeinde in der Kirche, in der wir sonst mit sehr reduzierter Liturgie, ganz konzentriert dem Kreuzestod Jesu gedenken. Es ist der Kernpunkt evangelischen Glaubens und mit der Auferstehung das Zentrum jeder christlichen Theologie. Heute hat der Karfreitag einen ganz anderen Rhythmus, verläuft wesentlich ruhiger und eröffnet auch Chancen, einmal ganz für sich der Bedeutung dieses Tages nachzugehen. Dabei erinnere ich und gedenke einem ganz großen evangelischen Theologen, für den Kreuz und Auferstehung Grundlage aller seiner Schriften, Bücher und theologischer Lehre, aber auch seines gesellschaftlichen und besonders auch seinem politischen Engagement gewesen ist: Dietrich Bonhoeffer, der, 1906 in Breslau geboren, am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg erschossen worden ist. Bonhoeffer gehörte dem Kreis derer an, die 1944 das Attentat auf Adolf Hitler geplant hatten. Im Gefängnis schrieb Bonhoeffer ein Gebet in Gedichtform an seine Familie (und für sich selbst): „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“ (als Lied zu finden im Evangelischen Gesangbuch Nr. 65). Ein Gedicht, das die Trauer über sein erwartbares Todesurteil aufnimmt und über die eigenen Lebensgrenzen in die große Hoffnung münden lässt, die uns mit dem Tod und der Auferstehung von Gott geschenkt ist. So können wir in der Freiheit des Glaubens leben und agieren, uns vom Glauben lenken lassen in Gedanken, Worten und Werken. 1951 wurde ein Buch mit dem Titel „Widerstand und Ergebung“ von Eberhard Bethge herausgegeben, in dem die Briefe, Predigten und andere Aufzeichnugen (wie das Gedicht „Von guten Mächten“) gesammelt nachzulesen sind. Ein kleines Zitat daraus, für den heutigen Karfreitag von der Herrnhuter Brüdergemeinde im Losungsbuch ausgewählt, wird mich den Tag über begleiten: „Wir müssen uns immer wieder sehr lange und sehr ruhig in das Leben, Handeln, Leiden und dem Sterben Jesu versenken, um zu erkennen, was Gott verheißt und was er erfüllt. Gewiss ist, dass im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist; gewiss ist, dass wir in dem allen in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt.“ Ich setze für den heutigen Karfreitag 2020 dazu: auch ohne prall gefüllte Kirchen. Die wir im nächsten Jahr hoffentlich wieder vorfinden werden, als Feiertag, der im ganzen Land gilt. Gott segnet Sie, bleiben Sie geduldig und erleben Sie den Karfeitag (nur in diesem Jahr!) als persönlichen Feiertag. Wenn Sie Zeit haben, schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer: 9. April 2020

Gründonnerstag heute, Erinnerungstag an die Einsetzung des Heiligen Abendmahls durch Jesus im Kreis seiner Freunde*innen. Eine ununterbrochene Feier bis heute, in allen Kirchen. An diesem Gedenktag 2020 keinen Gottesdienst zu feiern ist schon eine seltsame Sache. Doch sowie die Kirchen wieder offen, für alle offen sind, werden wir mit großer Freude das Abendmahl wieder feiern! Aber ganz ohne Gottesdienst geht dieser Tag nicht vorbei: ein kleines Team unserer Pfarrgemeinde bereitet eine Videogottesdienst für den Ostersonntag vor. In Distanz. Wir vom Team treffen uns nicht an einem Ort, sondern jede*r nimmt seinen/ihren Part des Gottesdienstes zu Hause auf. Predigt, Lied, Gebete, Lesung, Eröffnung, das Anzünden einer Osterkerze, thematisch bezogene Bilder, alles an verschiedenen Orten „maßgefertigt“. Das ganze Paket zusammengestellt wird von unserem wunderbaren Regisseur. Und ins Internet gestellt. Sobald der Link erstellt ist, finden Sie ihn auf unserer Homepage und natürlich hier im Blog. Weltweit aufrufbar. Das passt auch gut zu einer Liedstrophe von Detlev Block: „Jeder unter uns darf kommen, dass er Teil an dir gewinnt. Alle sind wir angenommen, wie wir hier versammelt sind: froh und traurig, stark und schwach, matt im Glauben oder wach!“ (Aus dem Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeinde 2020). Bleiben Sie gesund und freundschaftlich auf Distanz! Und schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer: 8. April 2020

In früheren „Normalzeiten“ sind am Mittwoch vor den Gottesdiensten von Gründonnerstag bis zum Ostermontag schon fleißige Hände dabei, in den Kirchen alles dafür herzurichten. Alles, was nach Zierrat aussieht, wird weggeräunt, auf das Wesentliche reduziert. Manche meinen dazu:“Karg sieht es aus bei euch!“ Das ist Absicht. Nichts soll ablenken von dem Gedächtnis an das Letzte Abendmahl und an den Tod dam Kreuz. Erst am Ostersonntag sind dann die Kirchen wieder mit den Symbolen eines prallen Lebens ausgestattet. In der „Normalzeit“, wie erwähnt. In diesem Jahr 2020, bei geschlossenen Kirchen, können Sie selbst, wo auch immer Sie wohnen, ein wenig von dieser besonderen Atmosphäre herrichten. Das ist eine Aufgabe mit jahrhundertelanger Tradition. In der Zeit der Gegenreformation, so von 1600 bis zum Toleranzpatent 1781, als es keine öffentliches evangelisches Leben gab, haben viele Familien ihre kirchlichen Traditionen zu Hause fortgesetzt und gepflegt. Mutig waren sie und ihrem Glauben verbunden. Mut braucht es 2020, Gott sei Dank, nicht mehr. Die Einbindung dieser Traditionen heute, die sichtbar machen, worum es in diesen Tagen geht, ist ein hoffnungsvolles Zeichen und auch ein Ausdruck dafür, dass wir uns alle wieder freuen, wenn die Kirchen offen sind und zu den gemeinsamen Feiern einladen. Zu dieser „Freude in Hoffnung“ passt auch das heutige biblische Leitwort aus dem Joahnnesevangelium (Johannes Kapitel 16, Vers 20): „Eure Traurigkeit soll zur Freude werden“. Darauf bereiten wir uns alle vor. Bleibt gesund und in freundschaftlicher Distanz. Auf so manche Reaktionen freue ich mich heute schon: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer: 7. April 2020

Bei meiner morgendlichen Bibellektüre ist mir heute ein für diese Tage wohl seltsames Wort untergekommen: jauchzen! Wer denkt denn gerade heute an jauchzen? Also ich nicht, die in „systemrelevanten Berufen“ Tätigen wohl auch nicht. Die Wirtschaft vielleicht, weil es nach Ostern wieder ein kleines Stück Öffnung gibt? Doch eher ein vorsichtiges Seufzen, verbunden mit dem Begriff Erleichterung. Aber gleich jauchzen? In dem kleinen Profetenbuch Zefanja, im Alten Testament, gerade einmal 3.Kapitel kurz, steht es (Zefanja 3,14): Jauchze, frohlocke, Israel. Und das mitten in Zeiten großer politischer und religiöser Bedrängnis und einem kollektiven Nichtwissen, wie es denn weitergehen wird. Aber die große Hoffnung, dass es eine Zeit danach gibt, eine Zeit der Freiheit Gottes, das ist der Grund zu jauchzen, zu frohlocken, schon heute. Zefanja benennt klar die Gründe der Bedrängnis, aber über allem steht die Hoffnung, der Glaube an bessere Zeiten. Manchen ging es damals, im frühen 7. Jahrhundert v.Chr., nicht schnell genug, so wie es auch heute einigen viel zu langsam geht mit dem „Upsizen“, der Rückkehr zur Normalität. Jauchzen darüber, dass wir uns wieder ohne Schutzmasken, ohne den inzwischen berühmten „Meterabstand“ treffen und miteinander reden können, öffentlich, mit vielen Menschen um uns, das ist ein echtes, ein „jauchzendes“ Licht am Horizont. Bleiben Sie gesund, haltet Kontakt in freundschaftlicher Distanz! Für Reaktionen bin ich dankbar an: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer: 6. April 2020

Viele Palmzweige werden heute schon in den Wohnungen und Häusern stehen. Und doch ist es so anders als in den vielen Jahren zuvor. Weil die Gottesdienste vor Ort nicht gefeiert werden konnten, bei denen die Palmzweige ihren großen Auftritt haben. Ich weiß nicht, in welcher Weise Sie die Palmzweige aufgestellt haben, ob während des Gottesdienstes, den Bischof Wilhelm Krautwaschl im Grazer Dom gefeiert hat, oder beim Ansehen und Hören der vielen evangelischen Gottesdienststreams aus den unterschiedlichsten Pfarrgemeinden oder ganz einfach nur hingestellt, in einer Vase, auf einen Tisch, in die Fensterbank. In einem dürfen und können Sie sich sicher sein: der Segen Gottes, der in all diesen gottesdienstlichen Feiern gesprochen wurde, der gilt Ihnen allen, wo und in welcher Form Sie mitgefeiert, mitgebetet, vielleicht sogar mitgesungen haben. Ein stärkender Segen, für die vielen Aufgaben, die sich Ihnen stellen. Nun sind einmal sind für die Lehrer*innen und Schüler*innen die Osterferien angesagt. Ja, auch diese Regelung gilt nach wie vor, auch wenn die Schulen jetzt schon drei Wochen geschlossen sind. Ein kleiner „Normalfall“ in den so außergewöhnlichen Zeiten. Und eine hoffnungsvolle Perspektive, dass sich in fernen Zeiten langsam wieder der Alltag einschleicht. Aber ob er so wird wie vor dem 15. März 2020? Da bin ich mir noch nicht so sicher. Fragend, aber hoffnungsvoll: Behüte euch Gott und bleibt (noch immer) freundschaftlich distanziert. Die Einladung gilt nach wie vor: schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer: 5. April 2020

Palmsonntag: der Gedenktag an den Einzug Jesu in Jerusalem. (Überliefert in allen vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes). Darin werden zwei gegenläufige Bilder beschrieben: einmal die hoffnungsvolle, auf Befreiung wartende und jubelnde Menge, dort, ganz allein, Jesus auf einem einfachen Esel. Erwartungen hatten beide: die Volksmenge wartete auf eine neuen König, der endlich die ersehnte Freiheit und Selbstständigkeit bringen sollte, und Jesus, der wusste, dass seine Botschaft von Freiheit ihn ans Kreuz bringen wird. Beide Vorstellungen von Freiheit passen nicht zusammen. Doch in beiden steckt ein Samenkorn, das sich langsam entwickeln wird: das jüdische Volk bekommt einen Staat, in dem sie frei von Unterdrückung und Verfolgung leben kann, in Israel, dem Land, das ihnen von Gott versprochen (=zugesprochen) ist. Die Freiheit in Christus, in der wir als Christen*innen leben dürfen, können wir annehmen und sie nutzen, für uns und andere. Für mich ergeben sich aus diesen biblischen Entdeckungen in unseren Tagen zwei Folgerungen: dass wir heute keine Gottesdienste feiern, ist eine Anordnung, der wir folgen müssen, auch wenn es schwer fällt. Zum anderen bleibt die Sehnsucht, dass wir wieder in einer demokratischen und persönlichen Freiheit leben werden, die uns die auferlegte Quarantäne in persönliche Begegnungen umwandelt, aus der Enge der vier Wände in das Licht der Beziehungen. Das Feiern der Gottesdienste gehört für mich unbedingt dazu. Den Weg dorthin werden wir gemeinsam gehen, gedanklich verbunden in diesem Blog, ausgedrückt in ihren Reaktionen, für die ich mich ganz herzlich bedanke! Ich werde auch jede versuchen, zu beantworten. andreas.gerhold@evang.at ist die Adresse. Gott segnet Sie/Euch auf eurem Weg. Bleibt gesund und freundschaftlich in Distanz.