Blog Pfarrer Gerhold 27. April 2020

Natürlich denke ich am heutigen 27. April 2020 an den 27. April 1945 vor 75 Jahren, als die damalige Provisorische Regierung die 2. Republik ausgerufen hat. An vielen Orten Europas wurde noch gekämpft, lagen Städte und Ortschaften in Trümmern, aus dem Führerbunker in Berlin wurden noch immer Durchhalteparolen ausgegeben, wussten die Menschen nicht, wie sie ihre Lebensmittel für den nächsten Tag bekommen sollten. Mit einem famosen dipolmatischen Schachzug hat Dr. Karl Renner diese einmalige Gelegenheit vorbereitet und standhaft umgesetzt. Ich will an diesen Tag erinnern und Sie gleichzeitig dazu einladen, die entsprechenden Informationen in den Medien zu beachten und der aktuellen historischen Forschung ihr Auge und ihr Ohr zu leihen.
Ich möchte auf eine ganz andere aktuelle Information, die mit dem „Hochfahren“ des Unterrichtes verbunden ist, aufmerksam machen: Es sollen wohl alle Gegenstände unterrichtet werden, aber zwei so bedeutsame gerade nicht: Musik und Turnen. Das halte ich, meine ganz persönliche Meiung, für schlichtweg falsch. Ein Unterricht ohne Musik? Undenkbar. Musik hat so viele positive Konnotationen, besonders auf das menschliche Wohlergehen, weil die Musik eine ganz besondere, integrative Kraft in die ungewohnte Atmosphäre des wieder aufzunehmenden Unterrichtes bringen kann. Musiklehrer*innen haben genug „musikalischen Stoff“ in ihrem Portfolio, um diesem Anspruch gerecht zu werden und diese Aufgabe zum Wohl aller erfüllen können.
Das gleiche, auf anderer Ebene, gilt ebenso für den Turnunterricht. Beide Gegenstände können leicht mit den vorgegebenen Regeln der Distanz durchgeführt werden. Wie wir Religionslehrer*innen werden das natürlich auch beachten und tun.
Die Musik und die Bewegung hat auch mir geholfen, in diesen sehr beschränkten Zeiten mein tägliches Pensum zu erledigen. Nicht mit Frust, sondern mit Freude, wie z.B. diesen Blog. Auch die Vorbereitungen für den ersten Gottesdienst in einer unserer Kirchen am 17. April 2020 (seit dem 8. März 2020!) gehen mit Musik und Bewegung viel leichter.
Haben Sie auch Erfahrungen damit gesammelt? Dann schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at Herzliche Einladung!
Bleiben Sie in Gott behütet!

Blog Pfarrer Gerhold, 26. April 2020

Der heutige Sonntag trägt einen wunderbaren Namen im Kirchenjahr: „Misericordias domini„. Nach Psalm 33, Vers 5: Gott liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des Herrn. Misericordias bedeutet: Güte, Barmherzigkeit, auch Mitleid. Der ganze Psalm 33 bezieht sich auf diese Eigenschaften Gottes, die ihren Anspruch auch an die Erdbewohner*innen stellen. Durchaus im umfassenden Sinn!
Leitpsalm diese heutigen Sonntags ist allerdings der 23. Psalm, der „Hirtenpsalm“. Die Übersetzung von Martin Luther klingt vielen im Ohr: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele. Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mit einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.“
Das Bild des Hirten ist Schwerpunkt am heutigen Sonntag. Ein Bild der Fürsorge des Hirten/der Hirtin um seine/ihre Herde. Eine Beschreibung auch des Gemeinwohls, der gegenseitigen Achtung und Be-Achtung. Gott vertraut uns Menschen seine Güte und Barmherzigkeit an. Wir reichen sie weiter an die, die uns anvertraut sind. Solidarität gehört dazu, ein Teil des Lebenswegs miteinander gehen, aufeinander zu achten: „Schau ich auf dich, schau ich auch auf mich!“ In Anlehnung an ein derzeit sehr bestimmendes Verhaltensmotto. Hirten*innen achten besonders auf die Schafe, die zurückbleiben, die dem Tempo nicht mehr folgen können und wenn es sein muss, tragen Hirten*innen diese Schafe zurück zur Herde. Mit diesem Bild fällt mir wieder die Zeit des digitalen Unterrichtes ein, der doch einige Schüler*innen nicht erreicht hat, die nun Rückstände haben. Sie brauchen besonders die Aufmerksamkeit der Lehrenden, brauchen „ihre Schultern“, die sie wieder zurück in den Unterricht, in das Lerntempo bringen. Hirten*innen, ganz selten kommen sie in unseren Lebensräumen noch vor, aber ihre Arbeit, ihr Bezug zur Herde sind noch immer vertraute Assoziationen, die wir kennen. Gerade wenn der „LockDown“ langsam wieder aufgehoben wird, bestimmte Lebensräume wieder geöffnet werden, sind die Güte des Herrn, das Vertrauen und das Anvertrauen Leitthemen, die uns einander näherbringen, uns verbinden. Feine Linien, die zu wachsen beginnen, uns stärken auf dem Weg wieder zueinander.
Einen feinen Sonntag wünsche ich Ihnen und wenn Sie möchten, schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer Gerhold 26. April 2020, Countdown Gottesdienst

Jetzt, um 10.00 Uhr, hätten die Glocken der Stainzer Evangelischen Friedenskirche zu Beginn des Gottesdienstes läuten sollen. Doch ist es noch nicht soweit. In 14 Tagen, am 17. Mai 2020 werden wir unseren ersten Gottesdienst nach den Wochen des „LockDown“ feiern können. Nach der Reihenfolge der Sonntage wird es ein Gottesdienst in der Evangelischen Christuskirche in Deutschlandsberg sein. Um 10.00 Uhr. Alle Informationen rechtzeitig in den Medien, auf unserer Homepage und in meinem Blog!

Blog Pfarrer Gerhold 25. April 2020

Willkommen! Was ich gerade mache? Ich denke intensiv nach. Worüber? Über 20m2. In Worten: Zwanzig Quadratmeter. Die haben seit letztem Donnerstag Hochkonjunktur in den österreichischen Kirchen und Gemeinden. 20m2 Platz für eine Person braucht es in den Kirchräumen. Das ist die derzeit geltende Formel für die Besucher*innenanzahl pro Gottesdienst ab dem 17. Mai 2020. Gleich nach der Pressekonferenz von Kardinal Christoph Schönborn und Ministerin Susanne Raab habe ich mich mit einem digitalen Messgerät in unsere Kirchen in Deutschlandsberg und Stainz begeben, um die Räume präzis auszumessen. Ergebnis nach Messung und Berechung mit der geltenden Formel: jeweils sechs Personen können wir in den Kirchen unterbringen. Interessant dabei: Stainz, obwohl größer im Augenschein, hat nur 1m2 mehr Fläche als Deutschlandsberg! Diese Zahlen lassen mich grübeln. Weil gleichzeitig ein Abstand von 1m, besser 2m von einer Person zur anderen vorgegeben ist. Nehmen wir diese Distanzvorschrift als Grundlage der Berechung, dann schauen die Zahlen ein wenig anders aus: Deutschlandsberg (mit Gemeindesaal): etwa 15 Personen, in Stainz (nach Bankreihen): 24 Personen. Verstehen Sie mein Nachdenken? Wie ich heute gelesen habe, gibt es in der kommenden Woche Gespräche mit den zuständigen Personen der Bundesregierung über diese Regelungen. Weil sie nicht allein die Kirchen betreffen, sondern auch andere kulturelle Einrichtungen. Ich hoffe, dass bis zum 17. Mai 2020, wenn wieder Gottesdienste in unseren Kirchen gefeiert werden können, eine praktikable Lösung gefunden wird. Aber wir bleiben zuversichtlich! Bleiben Sie das auch! Gott begleite Sie auf ihrem Weg.
Meine Einladung gilt: Wie sind Sie unterwegs? Schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at
Zwei Bilder heute dazu: einmal die leere Kirche in Stainz: stellen Sie sich 6 Personen darinnen vor….. Das andere Bild zeigt die volle Deutschlandsberger Kirche: dort wollen wir wieder hin. Aber wer weiß, wann es so weit sein wird!?

Die leere Stainzer Kirche
Die volle Kirche in Deutschlandsberg

Blog Pfarrer Gerhold 24. April 2020

Sehr spät heute der Blogeintrag! 2 Gründe gibt es: einmal die Wiederaufnahme von Gottesdiensten in angepasster Form und die schrittweise Aufnahme des Schulunterrichtes.
Zuerst zu den Gottesdiensten: ab dem 17. Mai 2020 (Sonntag) ist das Feiern von Gottesdiensten wieder erlaubt. Unter gänzlich anderen Voraussetzungen als wir es gewohnt sind: Anpassung der Zahl der Besucher*innen an die Größe des Kirchraumes, Distanzregeln, Desinfektionsmaßnahmen, MN-Schutz, auch einigen Fragen stellen sich: geht das gemeinsame Singen? Liederbücher? Abendmahlsfeiern? Abendmahle, das ist die derzeit einzig sichere Antwort, wird es in absehbarer Zeit noch nicht geben. Über alles andere bekommenden die Pfarrgemeinden Durchführungsregeln von der Kirchenleitung zugesandt. Auch wenn die gottesdienstlichen Feiern nur eingeschränkt möglich sind, wir freuen uns darüber, dass wir wieder damit beginnen können. Nähere Informationen werden wir Ihnen dann auf der Homepage der Pfarrgemeinde, ich in meinem Blog und über die Bezirksmedien bekannt geben!
Von großem Interesse war heute auch die Pressekonferenz von BM Dr. Heinz Faßmann über die phasenkoordinierte Öffnung der Schulen und die Wiederaufnahme des Unterrichtes . Die für uns evangelische Religionslehrer*innen wichtige Information daraus: auch der evangelische Religionsunterricht wird stattfinden. In welchem Ausmaß, in welchen Räumen, in welcher Zeit wird sich noch weisen. Aber er findet statt! Darüber bin ich sehr froh, denn alle Gegenstände, die in den Schulen unterrichtet werden, sind von gleicher Relevanz! Eine persönliche Anmerkung dazu: Auch die Stunden in Bewegung und Sport (früher: Turnen) gehören dazu. Sehr schade, dass diese Stunden nun nicht unterrichtet werden können! Für die Kirchen und die anerkannten Religionsgemeinschaften ist der Religionsunterricht sogar systemrelevant. Das als innerkirchliche Bemerkung.
Langsam also kommt so manches wieder in die Gänge. Ich hoffe, Sie und bei Ihnen auch. Gott begleite Sie dabei.
Wenn Sie mir schreiben wollen, sehr gerne!: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer Gerhold 23. April 2020

Ein bedeutender „Welttag“ ist heute zu begehen und zu bedenken: Der „Welttag des Buches„. 1995 wurde er von der UNESCO eingeführt. Bücher, jede Art von Leseunterlagen, Tafeln, Säulen, worauf immer auch geschrieben wurde: Das Lesen, das Buch gehört zu den ältesten kulturellen Errungenschaften der Menschheit. Buchsammlungen (Bibliotheken), Archive, die Sammlungen von Protokollen (Parlamentsbibliothek als ein Beispiel) und Zeitungen (Zeitschriften) gehören mit zum weltweiten „Gedächntis“ der Menschheit. Eines dieser „Gedächntisbücher“ und Grundlage der christlichen Religion ist natürlich die Bibel. Noch heute das meist verbreitete, gedruckte, gelesene, in die meisten Sprachen übersetzte Buch der Welt. Die entsprechenden Homepages der Bibelgesellschaften, als Beispiele angeführt: Österreichische Bibelgesellschaft, Deutsch Bibelgesellschaft, geben gründlich Auskunft über die eindrucksvollen Zahlen, Bibelausgaben und wie man sie bekommt. Seit vielen Jahren (Jahrzehnten inzwischen) wird die Bibel den Schüler*innen im Rahmen der Schulbuchaktion ausgegeben. Für mich selbst zählt die Bibel zu den besten Büchern für den Religionsunterricht. Die Bibel möchte gelesen werden! Ich kenne kein anderes Buch mit so vielen unterschiedlichen Erzählungen: Freundschaftsgeschichten: David und Jonathan; menschliche Grunderfahrungen: das Buch Hiob oder die Psalmen; Architekturpläne: der Bau des Tempels in Jerusalem durch König Salomo (keine Bastelanleitung: viel zu groß!); apokalyptische Bücher; Wunderberichte; sogar eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte: das Hohe Lied der Liebe im Alten Testament. Alle laden zum Lesen ein! Und je mehr man sich da hineinvertieft, entwickelt sich ein eigener Sog, dem nur schwer zu widerstehen ist. Selbst probiert! Den meisten Bibelausgaben sind auch Erklärungen, geschichtliche Übersichten, Karten und Bilder beigegeben. Diese machen vieles auch deutlicher. Übrigens ist die Bibel in guten Hörbuchvarianten erschienen. Bringt eine ganz eigene Atmosphäre! Am Welttag des Buches: Bibel nehmen und sich einlesen. Guter Beginn: die Davidsgeschichte im Alten Testament: ab 1. Samuel, Kapitel 16. Aber die Geschichte seines Vorgängers Saul gehört schon mit dazu: ab ab 1. Samuel, Kapitel 8. Viel Vergnügen und spannende Lesezeiten!
Bleiben Sie gesund und (noch) freundschaftlich in Distanz. Gott behüte Sie.
Meine Einladung: schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer Gerhold 22. April 2020

Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang, Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt!“ Ein wunderbares Morgenlied von Eleanor Farjeon (EG 455). So richtig bekannt allerdings wurde es erst durch Cat Stevens (heute: Yusuf Islam) im englischen Original: „Morning has broken„. Rauf und runter haben wir das in der Jugendarbeit in den 70er Jahren gespielt. Die Gitarrengriffe sitzen heute noch perfekt! Dass wir es heute in der deutschen Fassung von Jürgen Henkys in den Kirchen singen können, gehört zu den großen Verdiensten des neuen evangelischen Gesangbuches. Ich freue mich schon, wenn es wieder in unseren Kirchen erklingt, volltönend durch die Gemeinde mit Begleitung der Orgel. Wie ich vernommen habe, laufen die Verhandlungen über die schrittweise Öffnung der Kirchen für Gottesdienste ganz gut. Es sind noch nicht alle Regelungen besprochen, aber die Richtung stimmt. Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Jesus Christus! So der biblische Leitspruch für heute (im NeuenTestament, Galaterbrief, Kapitel 3, Vers 26). Eine stärkende Botschaft, nicht nur für heute. Bleibt gesund, haltet eure Träume und eure Hoffnung fest, Gott schütze Sie. Ich freue mich auf ihre Reaktionen: andreas.gerhold@evang.at