Blog Pfarrer Gerhold 20. April 2020

Ein feines und für die evangelische Kirche bedeutendes Beispiel dafür, dass man sich auch mit anderen Viren als dem Coronavirus anstecken kann, ist Johannes Bugenhagen, dessen 535. Geburtstag heute am 20. April zu gedenken ist. Bugenhagen hat sich von den Lehren Luthers infizieren lassen und wurde ein bedeutender Reformator, Freund Luthers und hat das Luthervirus weit in den nördlichen Regionen Europas verbreitet. Von Pommern, über Wittenberg und Hamburg ist er bis nach Dänemark gekommen , um dort im reformatorischen Sinn der Kirche und ihren Ordnungen und der lutherischen Theologie seine Dienste zu erweisen. Wie so viele seiner Zeit war Bugenhagen zuerst katholischer Priester (er hatte sein Studium der r.k. Theologie allerdings nie abgeschlossen), wurde aber vom Geist der lutherischen Reformation getroffen und hat vieles bewirkt. Besonders seine kirchlichen Ordnungen, also die Lehren der Reformation für die entstehenden Gemeinden und beginnende Kirchenentwicklung in eine geistlich lebbare Struktur zu bringen, war eines seiner großen Verdienste. Einfach nachzulesen in den Artikeln 22-28 der Augusburger Konfession von 1530. Auf fast allen Homepages evangelischer Kirchen zu finden: besonders übersichtlich: https://www.bayern-evangelisch.de/was-uns-traegt/das-augsburger-bekenntnis.php#tab15
Bugenhagen hat sich in viele Themen vertieft und ist kritischen Auseinandersetzungen nicht ausgewichen, wie in der Deutung und im Verständnis des Abendmahls.
Johannes Bugenhagen ist auch privat Martin Luther sehr nahe gestanden. Er gilt als der Beichtvater Luthers, hat die Trauung Luthers mit Katharina von Bora vorgenommen und die Kinder der beiden getauft. Noch im (damals) hohen Alter von 48 Jahren wurde ihm in der Schlosskirche von Wittenberg die Würde eines „Doktors der Theologie“ verlieren.
Johannes Bugenhagen starb in der Nacht vom 19. auf den 20. April 1558 in Wittenberg. Er hätte zum dem heutigen biblischen Leitwort aus dem Römerbrief des Paulus im Neuen Testament viel zu sagen gehabt: „Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel ewiges Leben.“
Im Sinn der Infektion: lasst euch von der Bibel infizieren und haltet das Coronavirus auf Distanz. Gottes Segen Ihnen allen. Und schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at

Portrait Johannes Bugenhagen von Lucas Cranach d.Ä. 1537

Blog Pfarrer Gerhold: 19. April 2020

19. April 2020: Quasi modo geniti: gleichsam neu geboren. Ein Zitat aus dem 1. Petrusbrief im Neuen Testament, 2. Kapitel, Vers zwei. Das ist der korrekte Namen dieses ersten Sonntags nach dem Osterfest. Ein ermutigendes Bild: Durch die Auferstehung von Jesus gibt es für alle Menschen die Chance, ihr Leben neu auszurichten, ein zweites, anderes Leben zu beginnen: weg von den alten Gewohnheiten, Bosheit, Betrug, Heuchelei, Neid erwähnt der 1. Petrusbrief als Beispiele, hin zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, wie der „Konziliare Prozess“ der europäischen Kirchen der Ökumene es ausdrückt. Ein Umdenken ist gefragt, eines, dass die Erfahrungen aus der Phase des derzeitgen „Lock down“ aufnimmt und eine Entwicklung vorzeichnet, die mehr ist als eine Rückkehr in die vor-pandemischen Zeiten. „Mehr Umkehr wagen!“ (in Anlehnung an das Originalzitat des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt aus dem Jahr 1969: „Mehr Demokratie wagen“), so will ich es heute formulieren. Chancen nützen, die wir alle miteinander jetzt vielleicht noch als etwas seltsam erleben: wie die Reduktion des Verkehrs, die neue Bezogenheit auf das unmittelbare Lebensumfeld, das soziale Engagement, die neue Wertigkeit der Religionen. Die Bildungschancen, die sich auch aus den neuen Unterrichtsformen entwickeln, die jetzt noch als Notlösung angesehen werden. Die Lust auf Literatur, auf das Lesen, auf kulturelle Angebote (wie auf orf.at heute zu lesen: rund 18.000 Streams aus dem Angebot der Wiener Staatsoper werden jeden Abend aufgerufen!), das sind hoffnungsvolle Anzeichen einer neuen Lebenskultur, einer sich anbahnenden Umkehr. Zumindest lese ich diese Signale in diese Richtung. Ich wünsche mir, dass die angedachten Perspektiven nicht als zeitbezogene Wunschträume übrigbleiben, die bald wieder vergessen sind. Quasi modo geniti: gleichsam wie neugeboren: ein aufbauender, ermutigender Satz aus dem 1. Petrusbrief, einer, der das Leben in eine neue Perspektive rückt.
Diesen aufgehenden, weiten Blick wünsche ich Ihnen an diesem Sonntag und dass sich der Blick nicht mit dem morgigen Tag verschleiert, sondern klar bleibt, zur Umkehr von uns allen. Gott segne Sie!
Ich freue mich über Ihre Reaktionen und Meinungen an: andreas.gerhold@evang.at

Blog Pfarrer Gerhold

18. April 2020: Ein ungewohntes Bild heute von meinem Blog! Ist aber leicht erklärt: mit unserem Webmaster Karl Diwiak gestalten wir unsere Homepage aktueller und hoffentlich auch übersichtlicher, vor allem aktueller! So kann ich in dieser überarbeiteten Blogseite selbst gestalten, Bilder hinzufügen, Video- oder Tonbeiträge einbetten, auch das Layout (ist aber schon höhere Stufe und wird noch ein bisschen dauern) in eine andere Form bringen.
Der heutige Blog ist mein erster Versuch der Gestaltung und dafür habe ich ein kleines Bild (Karikatur) gemalt und möchte das gerne mit Ihnen teilen. Wie gestern bekannt wurde, können weiterhin keine Gottesdienste in den Kirchen (in aller ökumensichen Weite) gefeiert werden. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es um Sicherheitsmaßnahmen in den Kirchen, um das gemeinsame Singen (mit oder ohne Schutzmaske), die richtige Platzverteilung, Anzahl der Besucher*innen und vieles mehr. In einem Kommentar stand darüber zu lesen: „Es wird noch überall daran gefeilt!“ Na, wir werden ja sehen! Aber da ist mir das Bild mit dem MN-Schutz und einer Kirche eingefallen. Vielleicht gefällt es ja! Und Humor, ein kleines Schmunzeln oder auch Lachen hilft in Zeiten der Unabwägbarkeiten!
Mein biblischer Text dazu aus dem 1. Buch Mose im Alten Aestament, Kapitel 21, Vers 6: „Gott lässt mich wieder lachen! Jeder, der das erfährt, wird mit mir lachen!“ Das hat Sara, die Frau von Abraham gerufen, als sie im hohen Alter den Isaak geboren hat. Erleichtertes Lachen, das auch in die Kirchen gehört, wenn wir uns dort wieder treffen können! Der Segen Gottes hält uns fest auf unserem Weg dorthin. Schreiben Sie mir: andreas.gerhold@evang.at

dav